Fachbereich Audio Engineering am SAE Institute
Am 1. Februar wurden in Los Angeles die Grammy Awards 2026 verliehen. In der Kategorie „Best Classical Solo Vocal Album“ ging die begehrte Trophäe an das Boston Early Music Festival Orchestra für die Produktion „Telemann: Ino – Opera Arias for Soprano“.
An der Entstehung mitgewirkt hat unser Alumnus Jan Stahlmann. Jan absolvierte von 2015 bis 2018 sein Audio-Engineering-Studium an unserem Campus in Hamburg. 2020 stieß er ins dreiköpfige Produktionsteam des Boston Early Music Festivals als einer von zwei Recording Engineers. Nun steht sein Name im Booklet einer Grammy-prämierten Produktion – ein großartiger Erfolg!
Grund genug also, nicht nur zu gratulieren, sondern auch persönlich bei Jan nachzufragen:
Lieber Jan, wir sind sehr stolz auf dich und freuen uns mit dir über diese großartige Auszeichnung! An einer solch aufwändigen Produktion sind viele Kreative auf der Bühne und hinter den Kulissen beteiligt. Dürfen sich nun alle offiziell als Grammy-Gewinner bezeichnen?
“Natürlich würdigt der Grammy formal die Produktion – in diesem Fall die Solistin, die musikalischen Leiter und das Orchester. Alle Namen zu nennen, würde den Rahmen sprengen. Denn an so einem Projekt sind viele Menschen beteiligt. Das umfasst etwa die Erstellung und Aufbereitung der Partituren für das Orchester, geht über die gesamte Organisation und Logistik, und die Labelarbeit, bis hin zu den Musiker·innen und natürlich zu uns im Produktionsteam. Bei einer solchen Aufnahme kommt es auf jede und jeden im Team an. Ohne diese wirklich gute Teamarbeit wäre am Ende auch nicht das Produkt entstanden, das jetzt mit einem Grammy ausgezeichnet wurde. Deshalb: ein klares Ja von mir!”
Du bist aktuell als Audio Engineer unter anderem beim Norddeutschen Rundfunk tätig – also in Deutschland aktiv. Wie kam es zu deinem Engagement beim amerikanischen Boston Early Music Festival?
“Nach meinem Bachelorabschluss bin ich zunächst in die „ARD-Welt“ eingestiegen, konkret bei Radio Bremen. Ich habe unter anderem Podcasts für den NDR gemischt, klassische Konzertproduktionen für den Deutschlandfunk/Radio Bremen betreut und bin zudem als Dozent für die ARD/ZDF Medienakademie tätig. Zum Boston Early Music Festival kam ich über die damalige Tonmeisterin von Radio Bremen, Renate Wolter-Seevers. Zwischen ihr, dem Sendesaal Bremen und dem Boston Early Music Festival bestand bereits seit Mitte der 2000er Jahre eine enge Verbindung: Seit 2005 kommt das Festival ein- bis zweimal jährlich in den Sendesaal Bremen, um dort zu produzieren. 2020 durfte ich dann als Recording Engineer Teil des Produktionsteams werden. Das war für mich eine großartige Chance, zunächst von der langjährigen Erfahrung meines Kollegen Siegbert Ernst zu profitieren und Schritt für Schritt Verantwortung zu übernehmen. Man lernt ja auch nach dem Studium nie aus – gerade Opernproduktionen dieser Art stellen besondere Anforderungen an Mikrofonierung, Raumabbildung und klangliche Gestaltung. Über die Jahre hat sich daraus eine sehr enge und professionelle Zusammenarbeit entwickelt.”
Wie hast du die Preisverleihung am Sonntag erlebt?
“Tatsächlich ganz gemütlich bei mir zu Hause auf dem Sofa. Ein Trip zu den Grammys wäre mit Sicherheit unglaublich spannend gewesen, aber ich war zeitgleich in Produktionen hier in Deutschland eingebunden. Außerdem muss ich gestehen: Ich wusste, dass wir nominiert waren – allein das ist ja schon eine großartige Ehre. Weiter habe ich aber gar nicht gedacht. Gerechnet habe ich mit der Auszeichnung jedenfalls nicht. Als dann unsere Produktion den Grammy erhielt, war ich erstmal ziemlich sprachlos – im allerbesten Sinne.”
Die Produktion liegt schon ein Weilchen zurück. An welchen Themen arbeitest du aktuell?
“Genau, die Produktion war bereits 2023 und seitdem ist einiges passiert. Ich habe mir letztes Jahr einen Traum erfüllt und mein eigenes Studio gebaut, inklusive Dolby-Atmos-Regie. Seitdem habe ich mich zunehmend auf immersive Audioformate spezialisiert, einfach weil es wahnsinnig viel Spaß macht und ich es für eine bahnbrechende Zukunftstechnologie halte. Zurzeit arbeite ich regelmäßig mit der Weltmusikgruppe „Una Lengua Infinita“ aus Madrid zusammen. Da darf ich mich immersiv austoben, und wir haben auch künftig noch einiges vor. Ich bin selbst Musiker und da arbeitet man parallel ständig an eigenen musikalischen Ideen. Natürlich stehen auch weitere Produktionen mit dem Boston Early Music Festival an. Aktuell beschäftige ich mich mit der Mischung eines Podcast-Sonderformats für den NDR. Also langweilig wird’s sicher nicht. 😉”
Danke für deine offenen Worte, lieber Jan! Nochmals herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Auszeichnung. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen an unserem Campus in Hamburg! 🙌🏼